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Top 10 Aussichtspunkte in Island

Island ist das einzige Land der Welt, in dem man gleichzeitig auf einem Gletscherplateau stehen, über einem aktiven Vulkan stehen, Polarlichter über dem Atlantik beobachten und Papageitaucher an der Felsklippe brüten sehen kann. Die Aussichtspunkte Islands haben eine gemeinsame Eigenschaft: nichts ist verkleinert. Wasserfälle stürzen aus Felstafeln, Lavaebenen dehnen sich kilometerweit, Gletscher fliessen über Vulkangipfel, und die weitgehende Abwesenheit von Bäumen lässt die Sichtlinie bis zum Horizont frei. Das Licht wechselt dramatisch zwischen der Mitternachtssonne im Sommer (kein Dunkel zwischen Ende Mai und Mitte Juli) und dem schrägen Stundenslicht des Hochwinters, wenn die Sonne nie höher als 5 Grad über dem Horizont steigt. Alle zehn Punkte sind auf der interaktiven Karte eingetragen.

1. Hallgrímskirkja-Turm, Reykjavik

Der Glockenturm der Hallgrímskirkja — Islands grösster Kirchenbau, entworfen von Guðjón Samúelsson und fertiggestellt 1986 — ist mit 74,5 Metern der höchste Aussichtspunkt in Reykjavik. Der Entwurf lehnt sich an die Basaltsäulenformationen Islands an, was dem Turm seine markante Stufensilhouette verleiht. Ein Lift fährt auf den Turm und bietet eine 360-Grad-Sicht über das gesamte Stadtgebiet: bunte Wellblechhäuser, die Halbinsel Reykjanes im Süden, den Esja-Berg (914 m) direkt nördlich über der Faxaflói-Bucht und — an klaren Tagen — das Snæfellsjökull-Eiskappengebirge (1.446 m), das rund 120 Kilometer entfernt aus dem Atlantik ragt. Der Turm ist täglich geöffnet; Eintritt 1.000 Isländische Kronen (ca. 7 Euro). Beste Besuchszeit: früher Abend im Sommer, wenn das Mitternachtssonnenlicht schräg aus dem Norden über die Stadt fällt, oder klare Winternächte, wenn Polarlichter über der Bucht sichtbar werden (ab Kp-Index 3 aufwärts).

2. Dyrhólaey-Bogen, Suðurland

Dyrhólaey ist ein Basalt-Felskap auf der Südküste Islands, das sich 120 Meter über dem Atlantik erhebt und einen natürlichen Torbogen bildet, durch den früher Segelschiffe fahren konnten. Der Name bedeutet auf Isländisch „Inseltür" oder „Türloch-Insel". Vom oberen Parkplatz und dem Leuchtturmpfad blickt man westlich auf den Reynisfjara-Basaltstrand und die Reynisdrangar-Felsnadeln (bis 66 m hoch), östlich auf den Mýrdalsjökull-Gletscher sowie die schwarzen Sanddünen der Mýrdalssandur-Ebene. Zwischen Mai und Mitte Juli ist der obere Pfad wegen brütender Papageitaucher (Puffins) gesperrt — die Tiere nisten in Erdhöhlen am Klippenrand und reagieren empfindlich auf menschliche Störung. Der untere Strand-Zugang bleibt offen. Die Steilklippen haben kein Geländer und erfordern volle Aufmerksamkeit. Per Mietwagen ab Reykjavik (Ringstrasse Richtung Vik, ca. 2 Stunden 30 Minuten).

3. Reynisfjara, Blick von oben

Der schwarze Basaltstrand Reynisfjara westlich von Vík í Mýrdal zählt zu den meistfotografierten Stränden der Welt. Das bekannteste Motiv — der Blick auf die Reynisdrangar-Basaltnadeln und die Hexagonalsäulen der Hálsanefshellir-Höhle — ist von Strandniveau zugänglich. Der erhöhte Blick von der niedrigen Basaltklippe Arnardrangur über dem Strand (kurzer Aufstieg ohne Weg, 10 bis 15 Minuten ab Parkplatz) oder alternativ vom Dyrhólaey-Kap in einigen Kilometern Entfernung gibt eine andere Perspektive: die Gesamtlänge des schwarzen Strandbogens mit dem Reynisfjall-Berg (340 m) als Kulisse und den Nadeln als Vordergrund. Die Meereswellen an Reynisfjara sind für Sneaker-Waves berüchtigt — einzelne Wellen brechen unvorhersehbar weit auf den Strand; mindestens 30 Meter Abstand vom Wasser ist zwingend erforderlich und wird von Parkrangern durchgesetzt.

4. Háifoss, Fossárdalur, Suðurland

Der Háifoss (122 m Fall) ist der zweithöchste Wasserfall Islands; von der Aussichtsplattform am Klippen­rand fällt der Blick senkrecht in die Basaltschlucht des Fossá-Flusses, der sich kurz darauf ins Þjórsá-Tal öffnet. Direkt nebenan stürzt der Granni-Wasserfall (46 m) in eine parallele Rinne — die Doppelfallperspektive von einem Aussichtspunkt ist eine der visuell aussergewöhnlichsten in Island. Der Besuch erfordert eine F-Strasse (F225, 4x4 empfohlen, nicht mit normalen Mietwagen zugelassen); der Parkplatz liegt am Ende von rund 40 Kilometern Schotterweg nördlich der Ortschaft Hella, die ihrerseits ca. 2 Stunden von Reykjavik liegt. Die beste Perspektive bietet der direkte Klippenrand ohne Geländer; die Bodenvegetation — empfindliches isländisches Moos und Flechten — darf nicht betreten werden. Zugänglich von ca. Juni bis September.

5. Gullfoss-Plattformen, Hvítá-Fluss, Goldener Kreis

Gullfoss (Goldener Wasserfall) liegt am Hvítá-Fluss und ist der bekannteste Wasserfall des Goldenen Kreises, Islands meistbesuchter Touristenroute. Die Kaskade fällt in zwei Stufen (11 m und dann 21 m) in eine Basaltschlucht von 70 Metern Tiefe; das Wasser dreht dann 90 Grad und verschwindet aus dem Blickfeld, was die Illusion erzeugt, der Fluss verschwinde in der Erde. Zwei Aussichtsplattformen bieten verschiedene Perspektiven: Die obere Plattform (10 Minuten vom Parkplatz) gibt einen Überblick über das gesamte Schluchtsystem, die untere Plattform (weiteren 10 Minuten Abstieg) bringt Besucher auf die Höhe des oberen Wasserfalls und in den Sprühbereich. Bei Sonnenschein bilden sich Regenbogen über dem Sprühnebel. Ganzjährig zugänglich; im Winter kann die untere Plattform bei Vereisung gesperrt sein. Der Goldene Kreis verbindet Þingvellir, Geysir und Gullfoss auf rund 200 Kilometern.

6. Þingvellir-Kontinentalspalte, Suðurland

Im Nationalpark Þingvellir — Weltkulturerbe seit 2004 — divergiert die Nordamerikanische Kontinentalplatte von der Eurasischen mit einem jährlichen Tempo von ca. 2 cm; der Grabenmassiv Almannagjá (40 m Höhe) ist der sichtbare Ausdruck dieser Trennung. Der Aussichtspunkt am Lögberg (Gesetzfelsen), dem historischen Rednerplatz des isländischen Althings (Parlaments, gegründet 930 n. Chr.), bietet den Blick westlich über die Spaltenstruktur und östlich über den Þingvallavatn-See (Island grösster natürlicher See, 84 km²) zum östlichen Grabenrand. Am Seeufer sind die Kontinentalplatten-Grenzen im flachen Wasser zu tauchen (Silfra-Schlucht, spezielle Tauchgenehmigung erforderlich). Das Panorama vom Lögberg ist historisch-geologisch einmalig: hier tagt das älteste Parlament der Welt an einer aktiven Plattentektonischwelle. Per Mietwagen ab Reykjavik, 45 bis 50 Minuten.

7. Brimketill, Reykjanes-Halbinsel

Brimketill ist ein natürlicher Lavapool, durch Meereswellen-Erosion in den Basaltfluss der Reykjanes-Küste geformt, rund 5 Kilometer westlich von Grindavík. Der Pool misst etwa 10 bis 15 Meter Durchmesser und ist mit atlantischem Meerwasser gefüllt; bei Flut schwillt er an, bei Ebbe liegt er grössteils trocken und dunkel. Vom Klippenrand sieht man auf den Pool, die Meeresbrandung um ihn herum und die Küstenlinie Richtung Reykjanestá. Das Licht im Pool ist morgens am stärksten, wenn die Sonne von Süden auf die schwarze Lava trifft. Kein Einstieg in den Pool erlaubt; die Klippen sind steil und ohne Geländer. Brimketill liegt ca. 45 Minuten Fahrt von Reykjavik entfernt auf der Reykjanes-Halbinsel; die Route passiert die Lavafeldgebiete der Fagradalsfjall-Ausbrüche 2021 bis 2024 und die geothermischen Dampffelder bei Svartsengi.

8. Kirkjufell, Snæfellsnes-Halbinsel

Der Kirkjufell (463 m) nahe Grundarfjörður ist der meistfotografierte Berg Islands — ein isoliertes, kegelförmiges Massiv mit symmetrisch steilen Flanken und charakteristischem Spitzprofil, das sich direkt aus dem Wasser der Bucht erhebt. Vom Wasserfallaussichtspunkt Kirkjufellsfoss (zwei parallele Kaskaden) westlich des Berges sieht man Berg und Wasserfall in einer einzigen Bildkomposition. Der Gipfelaufstieg (ca. 2 Stunden einfache Strecke, Schwierigkeitsgrad T4 nach norwegischer Skala) ist für geübte Wanderer mit felsigem Untergrund und Seilsicherungen möglich und bietet Blicke über die gesamte Snæfellsnes-Halbinsel. Winter (Oktober bis März): Polarlichtfotografie mit Kirkjufell als Vordergrund und dem Nordhimmel dahinter ist eines der meistreplizierten Island-Motive weltweit. Die Halbinsel Snæfellsnes ist ab Reykjavik in ca. 2 Stunden 15 Minuten erreichbar.

9. Stokksnes und Vestrahorn, Ostfjorde

Die Landzunge Stokksnes an der Südostküste Islands bietet den Blick auf den Vestrahorn (454 m), ein Hornstein-Massiv aus Gabbro und Granophyr, das aus schwarzen Sanddünen und einer Meereslagune direkt aufsteigt — ein Gestein, das weit älter ist als die umgebende Basaltlandschaft und in Island selten vorkommt. Bei Flut spiegelt sich der Berg im seichten Lagunenwasser; bei Ebbe bilden Reflexionsflächen auf dem nassen Sand ein zweites Bild. Bei leichtem Wind in den Stunden um Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang ist die Spiegelwirkung am deutlichsten. Zugang über die private Viking Café-Strasse (500 Kronen Mautgebühr). Das Massiv wird wegen seiner gezackten Silhouette manchmal „Batman Mountain" genannt. Nächste grössere Ortschaft: Höfn, 30 Minuten westlich. Keine Wanderung auf den Berg ohne ortskundige Führung; privates Gelände.

10. Mýrdalsjökull und Sólheimajökull, Suðurland

Der Mýrdalsjökull-Gletscher (596 km²) liegt über dem Katla-Vulkan, einer der aktivsten und potenziell gefährlichsten Vulkane Islands, der bisher noch im Jahrzehnt-Abstand ausgebrochen ist. Der zugänglichste Arm des Gletschers ist der Sólheimajökull (20 km westlich von Vík), dessen Gletscherzunge 2,7 Kilometer Fussmarsch vom Parkplatz entfernt liegt. Die Gletscheroberfläche ist durch vulkanische Asche dunkel gestreift, was den Rückzug des Eises besonders deutlich zeigt: der Gletscher hat in den letzten Jahrzehnten nachweislich erhebliche Strecken zurückgezogen. Vor dem Gletscherrand hat sich eine Schmelzwasser-Lagune gebildet. Der Anblick aus der Nähe — Eis, Vulkanasche, smaragdgrünes Schmelzwasser, kahler Basalt — ist einprägsam. Geführte Gletschertouren mit Steigeisen und Helm sind ganzjährig buchbar (Preise je nach Anbieter; Buchung empfohlen). Eigener Aufstieg auf das Eis ohne Führung ist verboten.

Island planen

Der Goldene Kreis (Þingvellir, Geysir, Gullfoss) konzentriert drei der besten Punkte auf 200 Kilometern rund um Reykjavik. Die Südküste (Dyrhólaey, Reynisfjara, Sólheimajökull, Stokksnes) ergibt eine intensive Zwei-Tages-Route. Die Snæfellsnes-Halbinsel (Kirkjufell) ist ein Tagesausflug ab Reykjavik. Die interaktive Karte hilft bei der Routenplanung und zeigt Strassentypen (Asphalt vs. F-Strasse) und Saisonöffnungszeiten.