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Die zehn schönsten Aussichtspunkte der USA

Glacier Point, Yosemite National Park, California — 2,199 m, United States of America
Photo: Diliff, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Vereinigten Staaten sind ein Aussichtsland aus geologischen Zufällen. Die westlichen Kordilleren stellen senkrechte Wände auf, das Colorado-Plateau schneidet Schluchten von über tausend Metern Tiefe, der Osten hat seine eigenen, leiseren Hügelketten in den Appalachen, und ein paar Wolkenkratzer setzen oben drauf eine künstliche Etage. Zehn auszuwählen ist zwangsläufig grob, aber die folgende Liste deckt die Spannweite ab und ist eine brauchbare Planungsbasis. Für die westlichen Standorte empfehlen sich Flüge nach San Francisco, Las Vegas oder Denver; für die östlichen nach Boston oder New York.

1. Glacier Point, Yosemite-Nationalpark, Kalifornien — 2.199 m

Das meistfotografierte Einzelbild der amerikanischen Landschaftsfotografie: Half Dome erhebt sich auf der gegenüberliegenden Talseite, Nevada Falls und Vernal Falls stürzen im Mittelgrund, und die Granitwände des Yosemite Valley fallen 980 Meter zur Talsohle ab. Das Panorama ist das Ergebnis glazialer Überformung über mehrere Eiszeiten; die letzten Gletscher zogen sich vor rund 10.000 Jahren zurück und hinterliessen die charakteristischen freiliegenden Granitdome.

Die Glacier Point Road ist saisonal geöffnet, typischerweise von Ende Mai bis November, je nach Schneelage. Die Fahrt von der Yosemite Valley-Sohle dauert etwa 45 Minuten auf der Glacier Point Road; zu Fuss führt der Four-Mile-Trail in 3–4 Stunden bergauf. Im Winter bleibt die Strasse gesperrt, doch mit Schneeschuhen oder Langlaufski ist der Aussichtspunkt erreichbar — eine bemerkenswert wenig besuchte Variante. Das ruhigste Zeitfenster ist von der Morgendämmerung bis gegen neun Uhr; spätnachmittags trifft goldenes Licht auf den Half Dome. Bei Yosemite fallen Parkgebühren und in der Hauptsaison Zeitfenster-Reservierungen an. Nächste grössere Stadt: Merced, rund 130 Kilometer westlich.

2. Grand Canyon — South Rim, Arizona — 2.100 m

Der klassische Grand-Canyon-Blick führt vom Mather Point am Südrand nach Norden über sechzehn Kilometer Schlucht zum Nordrand und 1.800 Meter hinab zum Colorado River. Die Canyonwände legen fast zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte bloss, vom Kaibab-Kalkstein an der Oberkante bis zum Vishnu-Schiefer am Flussbett. Der Südrand liegt auf rund 2.100 Metern, der Fluss selbst auf etwa 760 Metern.

Yavapai Point und Hopi Point bieten Bildvarianten. Hopi Point ist der beliebteste Sonnenuntergangsplatz, weil er weit genug nach Westen vorspringt, um einen freien Horizont zu bieten. Der Sonnenaufgang vom Mather Point ist das leisere Gegenstück. Der Hermit-Road-Bus hält in der Hauptsaison (März bis November) an acht Overlooks entlang der Westseite. Der Südrand ist ganzjährig geöffnet; das nächste grössere Flugfeld ist Flagstaff, rund 130 Kilometer südlich. Las Vegas liegt 450 Kilometer entfernt. Für Unterkunft in Grand Canyon Village empfiehlt sich eine Buchung viele Monate im Voraus.

3. Empire State Building Observation Deck, New York — 320 m

Das Observationsdeck im 86. Stock auf 320 Metern wurde am 1. Mai 1931 eröffnet und bleibt die atmosphärischste amerikanische Wolkenkratzer-Aussicht. Gebaut in 410 Tagen während der Grossen Depression, erreicht das Gebäude mit Antennenmast 443 Meter Gesamthöhe. Der Blick nach Norden über Midtown zum Central Park ist das Urbild der Stadt; nach Süden erstreckt sich das dichte Strassennetz Lower Manhattans bis zum Hafen. An klaren Tagen sieht man New Jersey, Long Island, Connecticut und das Hudson Valley.

Das Deck im 102. Stock (443 m) ist kleiner, vollständig verglast und gegen Aufpreis zugänglich — bei makelloser Sicht lohnt sich der Aufstieg bis ganz oben. Zeitticket im Voraus buchen, um Warteschlangen zu umgehen. Ideal ist die Ankunft eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, um den Übergang vom goldenen Licht zur Blauen Stunde und den Stadtlichtern mitzuerleben. Das Empire State Building liegt an der 34th Street nahe Penn Station und dem Herald Square.

4. Mount Washington — Gipfel, New Hampshire — 1.917 m

Der Mount Washington in der Presidential Range der White Mountains gilt als einer der wetterlaunischsten Berge der Erde. Die Gipfelwetterwarte mass im April 1934 einen Böenrekord von 372 km/h — bis dahin die höchste je verlässlich gemessene Windgeschwindigkeit an einem bewohnten Standort. Selbst im Sommer kann das Wetter in einer Stunde von angenehm zu Whiteout kippen; Temperaturen von unter 10 °C auf dem Gipfel sind im Juli keine Seltenheit.

Die Mount Washington Cog Railway fährt seit 1869 von der Marshfield Base Station (an der Route 302 in Bretton Woods) auf den Gipfel — die Fahrt dauert etwa 80 Minuten je Richtung. Die Mount Washington Auto Road beginnt auf der Ostseite (Route 16, Pinkham Notch) und ist eine zwölf Kilometer lange Mautstrasse, befahrbar mit eigenem Auto oder in geführten Bustouren. Beide Optionen sind etwa von Mai bis Oktober geöffnet. An klaren Tagen reicht der Blick über fünf US-Bundesstaaten, das Tal des Sankt-Lorenz-Stroms und bis zum Atlantik. Nächste Stadt: North Conway, New Hampshire.

5. Cadillac Mountain, Acadia-Nationalpark, Maine — 466 m

Cadillac Mountain ist der höchste Punkt der US-Nordatlantikküste und von Anfang Oktober bis Anfang März der erste Ort im kontinentalen Amerika, an dem die Sonne aufgeht — ein Ergebnis der östlichen Lage der Maine-Küste und des Höhenvorteils gegenüber dem Meeresspiegel. Der Blick erfasst Frenchman Bay, die bewaldeten Porcupine Islands und den offenen Atlantik.

Die Summit Road ist eine sieben Kilometer lange asphaltierte Strecke vom Hauptparkweg; in der Sommersaison (typischerweise Mai bis Oktober) ist eine zeitgebundene Einfahrtsgenehmigung gegen Aufpreis erforderlich. Alternativ führen der South Ridge Trail (6,4 km hin und zurück, mässig) und der North Ridge Trail (4,2 km hin und zurück) zu Fuss auf den Gipfel. Die nächste Ortschaft ist Bar Harbor, ein kompaktes Küstenstädtchen mit Gasthäusern und Restaurants. Bangor International Airport liegt rund 70 Kilometer nördlich.

6. Crater Lake — Kraterrand, Oregon — 2.135 m

Der tiefste See der USA (594 m) liegt in der Caldera des Mount Mazama, die vor rund 7.700 Jahren in einer der grössten vorhistorischen Vulkaneruptionen Nordamerikas kollabierte. Die Eruption stiess schätzungsweise 50 Kubikkilometer Magma aus. Die Caldera hat weder Zu- noch Abfluss; der See wird ausschliesslich durch Regen und Schmelzwasser gespeist und ist für seine intensive Blaufärbung bekannt — Folge der ausserordentlichen Wasserklarheit und -tiefe.

Die Rim Drive auf rund 2.135 Metern Höhe umrundet die Caldera auf 53 Kilometern und erschliesst dreissig benannte Aussichtspunkte. Watchman Overlook auf der Westseite bietet die klarste Sicht auf Wizard Island, einen Schlackenkegel, der aus dem Wasser ragt, und ist der klassische Sonnenuntergangsort. Phantom Ship Overlook an der Südseite blickt auf eine kleine Insel aus altem Fels hinab, die einem Segelschiff ähnelt. Die Rim Road ist meist nur von Mitte Juli bis Ende Oktober geöffnet; tiefer Schnee hält sie den Rest des Jahres geschlossen. Der Park erhebt Eintritt; nächste grössere Stadt ist Klamath Falls, rund 100 Kilometer südlich.

7. Bright Angel Point, Grand Canyon — North Rim, Arizona — 2.500 m

Der Nordrand des Grand Canyon liegt rund 300 Meter höher als der Südrand, auf etwa 2.500 Metern, ist weitaus weniger erschlossen und empfängt nur rund zehn Prozent der Besucher des Südrands. Die grössere Höhe bringt auch eine andere Vegetation mit sich: Aspen- und Fichtenwälder statt des Pinyon-Wacholder-Buschwerks auf der Südseite; die Anfahrt durch den Kaibab National Forest ist schon für sich ein landschaftliches Erlebnis.

Der North Rim ist nur von Mitte Mai bis Mitte Oktober geöffnet (in der Regel 15. Mai bis 15. Oktober); nach dem ersten grossen Schneefall schliesst die Anlage vollständig. Bright Angel Point erreicht man in einem Viertelstunden-Spaziergang auf befestigtem Weg von der Grand Canyon Lodge aus; die Felsnase ragt in die Schlucht hinein und bietet eine 270-Grad-Sicht bis zum gegenüberliegenden Südrand. Die Lodge ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit auf dem North Rim; Buchungen oft Monate im Voraus notwendig. Vom South Rim ist der North Rim 354 Kilometer auf der Strasse — etwa viereinhalb Stunden über US 89 und 89A. Ein saisonaler Trans-Canyon-Shuttle verbindet beide Seiten.

8. Inspiration Point, Bryce Canyon, Utah — 2.500 m

Bryce Canyon ist streng genommen kein Canyon, sondern eine Reihe natürlicher Amphitheater, die durch Frost-Sprengung und Erosion am Rand des Paunsaugunt-Plateaus entstanden sind. Das Ergebnis ist eine Landschaft aus Hoodoos — schlanken, hohen Felsnadeln — in Farben von Crème über Orange bis Tiefrot, je nach dem Eisen- und Mangangehalt des Claron-Formation-Kalksteins.

Inspiration Point liegt am Rand des Haupt-Amphitheaters und schaut auf die grösste Hoodoo-Konzentration hinab. Der etwas höhere Bryce Point (2.531 m) am Südende des Amphitheaters bietet einen etwas breiteren Blickwinkel. Das Morgenlicht lässt die Hoodoos in einer Viertelstunde von Korallenrot zu Zinnober wandern; den frühen Start lohnt es echte. Am besten 20–30 Minuten vor Sonnenaufgang eintreffen. In der Hauptsaison fährt ein Shuttlebus die grossen Aussichtspunkte an. Der Navajo Loop Trail (2,2 km) und der Queen's Garden Trail (4,4 km) steigen ins Amphitheater hinab und geben das Gegenstück von unten. Nächster Grossflughafen: Salt Lake City, vier Stunden nördlich.

9. Top of the Rock, Rockefeller Center, New York — 260 m

Das Deck im 70. Stock des GE Building (30 Rockefeller Plaza) blickt südwärts über Midtown und rahmt das Empire State Building von oben gegen die Skyline von Lower Manhattan und die Freiheitsstatue dahinter. Von den drei grossen Manhattan-Aussichtsplattformen — Empire State Building, Top of the Rock und One World Observatory — ist Top of the Rock die einzige, die das Empire State Building im Bild enthält, was sie zum Liebling der Fotografen für genau diese Aufnahme macht.

Das Rockefeller Center selbst ist ein Art-déco-Gebäudekomplex aus 19 Bauten, fertiggestellt zwischen 1930 und 1939. Die Channel Gardens und die Lower Plaza (im Winter Eislaufbahn) liegen am Fuss. Das Beobachtungsdeck hat drei Ebenen; die oberste ist im Freien. Zeittickets im Voraus kaufen und auf die 45 Minuten vor Sonnenuntergang zielen, um Tages- und Stadtlicht-Fotografie zu kombinieren. Das Rockefeller Center liegt zwischen 49th und 50th Street an der Fifth Avenue, leicht erreichbar mit der Subway (F/D/B-Linie, Station 47-50 Rockefeller Center).

10. Bear Lake, Rocky-Mountain-Nationalpark, Colorado — 2.880 m

Bear Lake auf 2.880 Metern liegt in einem glazialen Becken unterhalb von Hallett Peak (3.874 m) und Flattop Mountain (3.963 m) im Rocky Mountain National Park, der 1.076 Quadratkilometer des Colorado Front Range abdeckt. Der See ist fünf Minuten vom Parkplatz des Bear Lake Trailhead entfernt und bietet sofort alpine Kulisse mit Gipfelspiegelungen im Wasser.

Das Wegenetz fächert sich von Bear Lake in eine der zugänglichsten Hochgebirgslandschaften der US-Rocky Mountains. Dream Lake (1,8 km vom Trailhead) ist ein weiterer Gletschersee mit Bergspiegelung; Emerald Lake (3,5 km, 183 Höhenmeter Gesamtanstieg) liegt am Fuss der Westflanke des Hallett Peak. Der Flattop Mountain Trail steigt steil weiter zum Gipfel mit Blicken auf die Never Summer Range. Zeitbegrenzte Einfahrtsgenehmigungen für den Bear-Lake-Road-Korridor sind von Mai bis Oktober erforderlich. Einstiegsort: Estes Park, kurz östlich des Parks; Denver International Airport liegt rund zwei Stunden südöstlich. Im Herbst verwandeln Aspen die Hänge in goldgelbe Flächen.

Die USA-Aussichtsreise planen

Die Vereinigten Staaten sind so gross, dass eine einzelne Aussichtsreise typischerweise entweder den Osten, den Südwesten oder die Westküste umfasst. Eine Südwest-Runde könnte Grand Canyon (beide Ränder), Bryce Canyon und einen Zion-Canyon-Abstecher in zehn Tagen ab Las Vegas verbinden. Für die Westküste passt Yosemites Glacier Point gut mit dem Crater Lake und einer Fahrt entlang der Oregon Coast zusammen. In Neuengland lassen sich Cadillac Mountain und Mount Washington in einer Woche ab Portland, Maine, kombinieren. New Yorks zwei Stadtaussichten sind halbtägige Ergänzungen für jede Ostküsten-Reise.

Jahreszeitliche Planung ist entscheidend: North Rim, Crater-Lake-Kraterstrasse und Glacier Point Road sind im Winter geschlossen. Im Sommer verlangen Yosemite und Bryce Canyon zwingend Zeitfenster-Reservierungen. Die Schultermonaten — Mai, Ende September, Oktober — bieten oft die beste Kombination aus Erreichbarkeit und geringem Andrang. Die interaktive Karte zeigt Parkgrenzen, Rim Drives und urbane Observatorien gemeinsam, sodass die Geografie sichtbar wird.