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Die zehn schönsten Aussichtspunkte Schwedens

Schwedens Aussichtslandschaft ist vom Eis geprägt. Die kaledonische Gebirgskette an der norwegischen Grenze erreicht in Lappland 2.000 Meter; der Rest des Landes ist ein glazial geglätteter Sockel aus Granit, See und Wald, der zur Ostsee hin abfällt. Die Liste unten greift Höhepunkte aus dem alpinen Norden über die Kalksteinhochfläche von Öland bis zu den buchenbewachsenen Kanten Schonens im Süden heraus.

1. Kebnekaise — Südgipfel, Lappland — 2.096 m

Schwedens höchster Berg liegt im skandinavischen Gebirge Nordlapplands, rund 150 km westlich von Gällivare, und ist über das Dorf Nikkaluokta erreichbar. Der Südgipfel überholte um 2018 den bis dahin höheren, aber durch Gletscherschmelze schrumpfenden Nordgipfel. Der Standardaufstieg von der Kebnekaise Fjällstation — betrieben vom Schwedischen Touristenverein (STF) — ist ein langer, anspruchsvoller Tag von 8 bis 12 Stunden Gehzeit auf rund 18 km mit etwa 1.350 m Höhenunterschied. Der obere Abschnitt wechselt zwischen stabilem Geröll und Schnee- oder Eisresten, die bis weit in den August reichen können. Der Gipfelgrat bietet einen unverstellten Blick über ganz Sápmi und bei sehr klarem Wetter bis nach Norwegen. Die Fjällstation liegt auf rund 690 m und bietet Schlafplätze, Verpflegung und geführte Gipfelaufstiege. Die Wandersaison läuft gewöhnlich von Ende Juni bis Mitte September. Der nächste Flughafen ist Kiruna, rund 95 km entfernt. Das Betreten ist dank Jedermannsrecht (allemansrätten) kostenlos; für geführte Aufstiege mit dem STF fallen Führungsgebühren an.

2. Skuleberget, Höga Kusten, Ångermanland — 295 m

Die Höga Kusten (Hohe Küste) ist seit 2000 UNESCO-Welterbe am Bottnischen Meerbusen — ausgezeichnet für die weltweit höchste postglaziale Landhebung. Seit das letzte Eisschild abgeschmolzen ist, hat sich das Land hier um rund 286 Meter gehoben, wodurch alte Felsküstenlinien weit über dem heutigen Meeresspiegel liegen. Skuleberget auf 295 m ist das Herzstück und der am leichtesten zugängliche Aussichtspunkt: Ein Sessellift (stollifen) fährt im Sommer vom Eingang des Skuleskogen-Nationalparks nahe ans Gipfelplateau, und ein ausgeschilderter 2-km-Wanderweg vom Parkplatz ermöglicht den Aufstieg zu Fuß. Das Gipfelpanorama reicht über den Bottnischen Meerbusen im Osten, Dutzende bewaldete Inseln und ein zerklüftetes Binnenland aus Seen und Waldkuppen. An klaren Tagen ist der Härnösand-Archipel zu erkennen. Frühling und früher Herbst empfehlen sich für Vogelzugbeobachtungen. Das nahe Dorf Docksta bietet Unterkünfte; die nächste größere Stadt ist Härnösand, rund 60 km südlich.

3. Kungsleden — Tjäktja-Pass, Lappland — 1.150 m

Der Kungsleden (Königsweg) ist Schwedens bekanntester Fernwanderweg und erstreckt sich 440 km von Abisko im Norden bis nach Hemavan im Süden. Sein höchster Punkt ist der Tjäktja-Pass auf etwa 1.150 m, der beim Weiterwandern in südlicher Richtung ab der Hütte Alesjaure bei rund Kilometer 86 erreicht wird. Der Pass liegt zwischen zwei glazial geformten Tälern: im Norden das Alisvagge, im Süden öffnet sich das Tjäktjavagge zu einem weiten, baumlosen Hochplateau, typisch für Hochlappland. Die STF-Fjällstuga am südlichen Passfuß ist ein regulärer Übernachtungsstopp. Vom Pass selbst sind die Ausblicke in alle Richtungen offen und weit — das charakteristische leere Lapplandpanorama aus gerundeten Fjälls, Zwergbirken-Tälern und fernen Schneekämmen. Die Wandersaison reicht von Juli bis Mitte September; Anfang Juli kann der Pass noch Schnee tragen. Mücken haben ihre Hochsaison Ende Juni bis Anfang Juli. Der südliche Wanderausgangspunkt Hemavan hat einen Flughafen mit Direktverbindungen nach Stockholm Arlanda.

4. Gotska Sandön, Gotland — Sandkliff Höga Klint

Gotska Sandön ist eine Besonderheit: eine kleine, flache Nationalpark-Insel 38 km nördlich von Gotland mitten in der Ostsee, fast vollständig aus Sand bestehend. Die Insel misst rund 9 km × 6 km und trägt einen Kiefernwald, der direkt aus den Dünen wächst. An der Nordspitze der Insel erhebt sich das Sandkliff Höga Klint einige Meter über dem Strand und bietet von oben einen Ausblick nach Osten und Norden über die offene Ostsee — einer der leersten Baltischen Horizonte, die Besucher je erleben können. Es gibt keine ständigen Bewohner und keine Hotels; Unterkunft bietet ein vom Nationalpark verwaltetes Gästehaus (Vorabregistrierung über die Schwedische Naturschutzbehörde notwendig). Anreise mit dem Saisonboot von Nynäshamn oder Fårösund, etwa von Mai bis September, mit begrenzten wöchentlichen Abfahrten. Die Insel ist durch strenge Schutzregeln mit Besucherobergrenze gesichert. Das Besondere ist die vollständige Abgeschiedenheit: keine Straßen, kaum Lichtverschmutzung, ein Leuchtturm aus dem Jahr 1850 und ungebrochene Meereshorizonte.

5. Areskutan, Jämtland — 1.420 m

Åre ist Skandinaviens größtes Skigebiet, und der darüber aufragende Areskutan ist auch außerhalb der Skisaison beeindruckend. Die Kabinenbahn (kabinbanan) fährt vom Ortszentrum Åre zur Bergstation auf rund 1.274 m; ein markierter 30-minütiger Gehweg führt zum Gipfelsteinmann auf 1.420 m. Das 360-Grad- Panorama gehört zu den weitreichendsten in Mittelschweden: Unten liegt der lange Åresee und das Dorf; im Westen das Lunndörren-Naturreservat und der Blåhammaren-Grat; im Südwesten das Sylarna-Massiv an der norwegischen Grenze; und an sehr klaren Tagen lassen sich die Gipfel um den Helags ausmachen, Skandinaviens südlichsten Gletscher. Die Kabinenbahn fährt im Winter für Ski und im Sommer gewöhnlich von Ende Juni bis Anfang September. Auf dem Gipfel kann es 10–15 °C kühler sein als im Ort; auch im Juli ist eine winddichte Jacke ratsam. Åre ist mit dem Zug auf der Mittbanan-Strecke von Östersund (rund 100 km östlich) oder von Stockholm (rund 6 Stunden) erreichbar.

6. Söderåsen — Kopparhatten, Schonen — 197 m

Der Söderåsen-Nationalpark im nördlichen Schonen schützt ein tiefes Grabenbruch- tal, in dem Buchenwald auf Kliffwänden wächst, die 90 Meter in eines der dramatischsten Landschaftsbilder Südschwedens abfallen. Der Aussichtspunkt Kopparhatten ist das Markenzeichen: eine Felsplatte auf etwa 197 m Höhe, von der man auf den buchenbewachsenen Talboden und die offene Farmlandschaft der Schonischen Hochebene blickt. Vom Parkplatz am Naturum Skäralid sind es rund 1,5 km leichte bis mittelschwere Wege bis zum Kopparhatten, was 25 bis 35 Gehminuten entspricht. Das Betreten des Nationalparks ist kostenlos. Die kanonische Saison ist Anfang Oktober, wenn der Buchenwald Kupfer- und Goldtöne annimmt und die gesamte Klippe in Herbstfarben leuchtet — eines der eindrucksvollsten Herbstlaubspektakel Nordeuropas. Im April verwandelt Bärlauch (ramslök) den Talboden in ein grünes Blütenmeer. Die nächste Stadt ist Klippan (rund 8 km entfernt), mit Bahnverbindungen nach Helsingborg und Malmö.

7. Stockholm — Skinnarviksberget, Södermalm

Der Granithügel Skinnarviksberget auf Södermalm ist mit 52 m die höchste natürliche Erhebung im Stockholmer Zentrum. Der Blick geht nach Westen und Nordwesten über den Riddarfjärden-Arm zum Stockholmer Rathaus (Stadshuset) mit seinem charakteristischen Turm, zur Altstadt (Gamla stan) auf ihrer Insel und nach Kungsholmen dahinter. Es ist ausdrücklich kein touristischer, sondern ein lokaler Aussichtspunkt: keine Beschilderung, keine Kasse, keine Infrastruktur außer dem flachen Felsen selbst. Bei warmem Wetter, vor allem rund um den Sonnenuntergang, treffen sich Södermalm-Bewohner hier mit Getränken, um das Licht auf dem Wasser und die Silhouette des Rathauses zu genießen. Der Fels ist ein kurzer Fußweg von den U-Bahn-Stationen Zinkensdamm oder Hornstull (T-bana, rote Linie) entfernt. Kein Eintritt, keine Einschränkung. Das beste Licht für Fotos bietet sich nachmittags, wenn die Abendsonne den Riddarfjärden und den Rathausturm vergoldet.

8. Höga Karleby — Klippen, Öland — Ostküste

Die Insel Öland in der südlichen Ostsee ist über die Ölandsbrücke (Ölandsbron) bei Kalmar — mit 6 km eine der längeren Straßenbrücken Europas — mit dem Festland verbunden. Die Ostküste der Insel unterscheidet sich stark vom sanften Westifer: Hier endet die Kalksteinplatte (Alvar) abrupt in Klippen von 20 bis 30 Metern über dem Meer. Höga Karleby ist einer von mehreren benannten Aussichtspunkten entlang dieser Ostküste, ungefähr in der Inselmitte. Der Blick fällt ostwärts über die offene Ostsee, ohne Land bis nach Lettland dazwischen. Hinter einem breitet sich das Kalksteinpflaster des Alvars aus — eine nahezu baumlose Graslandschaft, die zusammen mit dem Südteil der Insel als UNESCO- Welterbe (seit 2000) eingetragen ist. Am lohnendsten ist der Besuch im Frühling (April bis Mai) und Herbst (September bis Oktober), wenn Kraniche, Gänse und Watvögel in großen Scharen über die Ostküste ziehen. Ein Fernglas ist sehr empfehlenswert. Die Inselhauptstadt Borgholm bietet Hotels und Cafés; das Schloss Solliden als Königliche Sommerresidenz liegt in der Nähe.

9. Akka — Akkasjaure-Aussichtspunkt, Lappland

Akka (Áhkká auf Nordsamisch) ist mit 2.016 m eines der höchsten und eindrucksvollsten freistehenden Massive Schwedisch-Lapplands. Es erhebt sich als langer Kamm über dem See Akkasjaure, rund 50 km südwestlich von Jokkmokk, im faktischen Pufferbereich zwischen dem Stora-Sjöfallet-Nationalpark im Norden und dem Sarek-Nationalpark im Süden. Der klassische Aussichtspunkt liegt am Ufer des Akkasjaure selbst: Ein Bootsshuttle von Ritsem (dem Straßenende von Jokkmokk aus) bringt Wanderer ans Südufer, von wo aus der gesamte 7 km lange Grat des Akka mit seinen Gletschern an der Nordseite den Horizont einnimmt. Dieses Bild gilt als eines der ikonischsten Wildnispanoramen Skandinaviens. Das Massiv wird manchmal "Königin Lapplands" genannt. Der Gipfelaufstieg erfordert Erfahrung im vergletscherten Gelände. Die Landschaft rund um Akkasjaure gehört zum Welterbegebiet "Laponia" (seit 1996). Der Sommer (Juli bis August) ist das einzige praktikable Zeitfenster; der Zugang erfolgt per Schiff von Ritsem oder auf langen Fußmärschen von Kvikkjokk aus.

10. Visingsö — Kumlaby-Kirchenturm, Vätternsee

Der Vätternsee ist Schwedens zweitgrößter und Europas sechstgrößter See und erstreckt sich 135 km von Nord nach Süd durch das geografische Herz des Landes. Visingsö, rund 14 km lang, ist Vätterns größte Insel und liegt ungefähr auf halber Seelänge. Die mittelalterliche Kumlaby-Kirche am nördlichen Inselteil stammt aus dem 12. Jahrhundert; ihr romanischer Turm ist im Sommer für Besucher geöffnet und bietet — von bescheidener, aber erstaunlich nützlicher Höhe — einen Blick entlang beider Seearme. Südlich erstreckt sich das Wasser bis Jönköping, nördlich bis Karlsborg und den Göta-Kanal. Für Touristen gibt es keine Autofähre zur Insel — die Anreise erfolgt mit der Personenfähre von Gränna am Ostufer (rund 20 Minuten, fährt im Sommer häufig). Visingsö ist auch bekannt für die Ruine Brahehus auf der Festlandseite über Gränna und die Polkagris- Zuckerstangen, die traditionell in Gränna hergestellt werden. Die Mischung aus Ackerland, Kiefernplantagen aus dem 19. Jahrhundert, Eichenalleen und dem weiten Seepanorama macht diesen Ort zu einem der typischsten schwedischen Binnenlandschaften auf dieser Liste.

Schwedische Aussichtspunkte planen

Schwedens Längsausdehnung (1.500 km Nord-Süd) macht eine einzelne Aussichtsreise meist auf eine Region beschränkt. Natürliche Einheiten sind: Lappland (Kebnekaise, Akka, Kungsleden), Mittelschweden (Areskutan, Höga Kusten) und der Süden (Stockholm, Söderåsen, Öland, Visingsö). Gotska Sandön erfordert eine eigene Bootsüberfahrt. Nachtzüge fahren täglich von Stockholm nach Kiruna und Luleå, was Lappland über Nacht erreichbar macht. Der Zug nach Åre braucht rund sechs Stunden ab Stockholm. Die Höga Kusten erreicht man am besten mit dem Zug bis Kramfors oder Härnösand und dann mit dem Auto. Gotland und Öland sind per Fähre von Nynäshamn bzw. Oskarshamn erreichbar. Das beste Licht fällt in der langen, flach einfallenden Arktischen Sommersonne Ende Juni und Juli; in Südschweden bringt der Oktober die Buchenwälder zum Leuchten. Die interaktive Karte zeigt das STF-Hüttennetz neben den Aussichtspunkten.